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Mali: Der Wegnia-See muss gerettet werden

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Die Launen des Himmels machen der Bevölkerung um den Wegnia-See, 120 Kilometer nördlich von Bamako, das Leben schwer. Die Niederschlagsmenge ging über die letzten Jahre kontinuierlich zurück. Dafür wurden die Gewitter umso heftiger, und oft ist nach einem Gewitter alles überschwemmt. Der Wegnia-See kann in nur wenigen Stunden volllaufen, aber auch genauso schnell wieder austrocknen.

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Am Ende der Regenzeit ist der See leer und es herrscht Wassermangel, trotz tiefer Brunnen. Für die Landwirtschaft ist das eine schwere Hypothek. Die Bodenerosion lässt den See versanden und seine Speicherkapazität schrumpfen.

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Modeste Traoré ist Fischer, wie schon seine Vorväter seit Generationen. Aber auch diese Tradition neigt sich ihrem Ende zu. Es fehlt an Wasser und der Fischbestand des Sees sinkt kontinuierlich. Die Wegnia-Region wird im Abkommen von Ramsar als Feuchtgebiet von grosser Bedeutung aufgeführt.

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Modeste Traoré ist 54 Jahre alt. Nach dem Tod seiner ersten Frau hat er wieder geheiratet und muss nun 14 Kinder ernähren, die Hälfte davon stammt aus der erweiterten Familie. Er teilt seinen Hof mit den Familien zweier seiner Brüder. Modeste ist in Wegnia geboren und hat, wie schon sein Vater, immer hier gelebt. Aber jetzt kann er vom Fischen nicht mehr leben. Deshalb orientiert er sich immer mehr Richtung Landwirtschaft. Aber der chronische Wassermangel lässt den Boden genauso austrocknen wie den See.
   
Die Familie lebt im Dorf Wegnia, in der Gemeinde von Guihoyo, Distrikt Kolokani, Region Koulikoro, Mali.

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Modeste und seine Familie gehören zu den 12'000 Menschen in der Wegnia-Region, die von Caritas Schweiz unterstützt werden. Wir begleiteten Modeste über mehrere Tage. Er berichtete uns von den Schwierigkeiten, mit denen er in der Fischerei, der Landwirtschaft und der Viehzucht konfrontiert ist. Modeste liebt sein Dorf und fühlt sich zutiefst mit ihm verbunden. Er möchte sein Einkommen und seine Lebensbedingungen verbessern, damit er mit seiner Familie auch in Zukunft in seinem Dorf leben und arbeiten kann.

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Wasser: Aufforstung und Steinwallverbauungen fördern das Einsickern des Regenwassers in den Boden und vermindern die Erosion.

Landwirtschaft: Resistentes und an den Klimawandel angepasstes Saatgut sowie ökologische Anbaumethoden fördern den Ernteertrag und die Bodenfruchtbarkeit. Fruchtfolge, das heisst der zeitlich versetzte Anbau von verschiedenen Kulturen auf ein und demselben Feld, und organischer Dünger wurden eingeführt.

Energie: Es wurden verbesserte und effizientere Techniken für die Essenszubereitung sowie die Verarbeitung und Lagerung der Waren eingeführt. Mithilfe moderner Geräte und Techniken können die Einwohnerinnen und Einwohner der Seeregion ihre Lebensbedingungen verbessern und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen schonen.

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Das ist der Hof, den sich Modeste mit seinen beiden Brüdern und deren Familien teilt. Die Häuser öffnen sich zum Hof hin. Hier findet der Grossteil der Hausarbeit statt.  

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Um das ganz Jahr über Zugang zu Wasser zu haben, müssen tiefe Brunnen – oft durch hartes Gestein – gegraben werden. Aber die Lösung, um einen kurzfristigen Bedarf zu decken – einen ausreichenden Ernteertrag – kann langfristig der Bodenqualität schaden. Dieser Brunnen wurde übrigens nicht in Wegnia im Rahmen des Caritas-Projekts gebohrt. Er befindet sich in Guihoyo in der gleichen Gemeinde, in der Nähe eines kleinen Wasserspeichers. Überall im Land herrscht extreme Sorge um eine ausreichende Wasserversorgung und man versucht unter Hochdruck, neue Wasserressourcen zu erschliessen.

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Aus verschiedenen Studien geht hervor, dass lokale, heftige Regenfällen in der Sahelzone immer öfter vorkommen. Für die Bauernfamilien verschärft sich damit das Problem der Bodenerosion. 2017 war keine gute Regensaison für die Wegnia-Region. In Sirini, rund 80 Kilometer im Norden, fielen über 43 Tage lediglich 528 mm Regen. Der ohnehin niedrige Durchschnittswert über die vergangenen 15 Jahre beträgt 648 mm verteilt auf 57 Tage.

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Der Fischfang von Modeste geht aufgrund des Wassermangels deutlich zurück. 2017 konnte er aus dem See gerade noch 50 Kilo Kleinfisch herausholen. «Nicht viel für ein Familienoberhaupt», sagt er mit einer gewissen Bitterkeit. Zumal es ja mehr als genug Familienmitglieder zu ernähren gilt. Modeste erinnert sich noch gut an seine Jugend, wo jede Ausfahrt mehrere Kilo Fisch Ertrag einbrachte.

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Noch vor 50 Jahren war die Landschaft hinter dieser Bäuerin voller Bäume. Heute stehen nur noch wenige. Um die wachsende Bevölkerung ernähren zu können, braucht es immer mehr Anbauflächen. Die Bodenqualität sinkt und die Erosion steigt an.

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Es ist einfach und effizient: Die Bauern errichten einen Steinwall in Form eines Halbmondes am unteren Ende ihrer Felder, um so bei Regen Wasser und Erde auf den Feldern zurückzuhalten. Diese Technik fördert die Bodenfruchtbarkeit und wirkt gleichzeitig erosionshemmend.

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In Sirini, im Norden von Wegnia, machte Diawélé Coulibaly bereits Erfahrungen mit der Steinwallverbauung unterhalb seiner Hirsefelder. Mit dieser Technik konnte er seinen Ernteertrag beachtlich steigern. Auf einer Fläche von einem halben Hektar erntete er 400 Kilo Kleinhirse, ein guter Ertrag. Die Caritas stellt den Bauernfamilien schnell reifendes und klimaresistentes Hirse- und Sorghumsaatgut zur Verfügung. «Das Klima verändert sich. Wenn wir unsere Anbaumethoden nicht anpassen, werden wir untergehen», sagt der junge Landwirt.  

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Auch das ist eine einfache und effiziente Technik: organischer Dünger. Haushaltsabfälle, organische Abfälle, Wasser, Sonne kommen zusammen – und schon beginnt die Kompostierung. Dieser Kompost ersetzt den chemischen Dünger, der jedes Jahr von neuem verteilt werden muss und sehr teuer sein kann. Der landwirtschaftliche Ertrag kann so deutlich gesteigert werden.

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In Sirini wurden auf Initiative der Caritas nahe beim Dorf zwei Gemüsefelder mit einer Gesamtfläche von 1,5 Hektar angelegt. Rund 100 Frauen aus dem Dorf bauen hier Tomaten, Salat, Kohl, Zwiebeln, Kartoffeln, Paprika und Minze an und verbessern so die Ernährung ihrer Familien.
Dank des Brunnenwassers können die Felder auch während der Trockenzeit einen längeren Zeitraum über bewässert werden. Doch 2017 konnten die Frauen keine Ernteüberschüsse produzieren, die sie auf dem Markt hätten verkaufen können: Es regnete nicht genug. Im Süden des Landes war das im Rahmen des gleichen Projekts möglich, denn hier fällt noch mehr Regen. Mit dem regelmässigen Verkauf der Ernte auf dem Markt verdienen die Frauen genug, um das Schulgeld der Kinder und die medizinische Versorgung zu bezahlen.
Schon bald sollen auch in Wegnia Felder für den Gemüseanbau angelegt werden.

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Im Juni 2018 hatten in Wegnia und den umliegenden Dörfern mehr als die Hälfte der Einwohnerinnen und Einwohner – allesamt Bauern  – keine Lebensmittelreserven, die länger als 4 bis 5 Monate ausreichen. Eine Notverteilung musste organisiert werden. 2017 war für alle, die kein Vieh verkaufen konnten und auch kein Familienmitglied hatten, das in den Goldminen oder in Bamako arbeitete und ihnen Geld schicken konnte, ein leidvolles Jahr. Modeste und seine Brüder hatten glücklicherweise etwas Vieh. Immer wenn sie auf dem Markt mit dem Verkauf ihrer Produkte etwas Geld verdienen, kaufen sie eine Kuh als Sparguthaben.

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Abholzung und Erosion führen zu tristen, kahlen Landstrichen – und dazu, dass  ganze Regionen praktisch unbewohnbar werden. Das Holzsammeln, bis hin zum Holzschlag, ist nötig, um die täglichen Mahlzeiten zuzubereiten. Für die Umwelt sind diese Praktiken jedoch extrem schädlich.

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Die chronische Trockenheit bereitet Samba Traoré, dem Dorfchef von Wegnia, grosses Kopfzerbrechen. Es darf nur noch Totholz gesammelt werden. Bei Konflikten im Dorf ist Samba Traoré derjenige, der versucht, eine Lösung zu finden.

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Die Dorfbrigaden wachen darüber, dass die Regeln zum Schutz der natürlichen Ressourcen eingehalten werden: Bestimmte Bäume dürfen in gar keinem Fall mehr gefällt werden, die Nutzung anderer Baumarten ist durch Vorschriften streng reglementiert. Zum Schutz der Ernte darf das Vieh nur noch in festgelegten Korridoren zirkulieren. Auch zwischen den Dörfern kann es zu Streitereien kommen. Und es gilt auch das Zusammenleben zwischen Bauern und Viehzüchtern zu regeln.

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Ziel ist, in den nächsten Jahren zehntausend junge Bäume in Wegnia zu pflanzen. Bei Not am Mann steht fast das ganze Dorf bereit, um Unkraut zu jäten und die Jungpflanzen vor dem Einpflanzen zu säubern.  

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25 Kilo Holz verbraucht eine Familie durchschnittlich pro Tag. Das macht 9 Tonnen im Jahr. Geht man von einer jährlichen Produktivität von 3 Kubikmeter pro Hektar aus, wären 1400 Hektar Wald nötig, um langfristig den Bedarf der Familien in Wegnia und in Kononi-Sirakoro, einem Dorf am Seeufer, decken zu können.

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8 von 10 Menschen in Mali arbeiten in der Landwirtschaft. Caritas steht den Menschen mit Rat und Tat zur Seite und unterstützt sie dabei, ihre natürlichen Ressourcen zu schützen, neue Agrartechniken einzuführen und den Marktzugang für ihre landwirtschaftlichen Produkte zu verbessern. Trotz der immer schwieriger werdenden klimatischen Bedingungen konnte die Lebensmittelsicherheit lokal verbessert werden und Familien konnten zusätzliche Einkommensquellen entwickeln. Wichtig ist, dass die Hilfsprojekte weitergeführt und ausgeweitet werden.

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